Evangelische Kirchengemeinde Echzell

 

 

 

 

 

 

Bild (c) Thomas Wettig

Die Glocken     Die Orgel      Impressionen

 

Die evangelische Kirche in Echzell

Die Bedeutung und Herkunft des Namens lässt Forscher in die Zeit der iro-schottischen Mönche schauen. Im 8. Jahrhundert n.Chr. entstanden eine Reihe von irischen Kirchen in unserer Region. Echzell lässt sich nahtlos einordnen.

Aber bereits vorher existierte ein großes Römerkastell. Auf den Grundmauern des römischen Bades wurde die Kirche errichtet. Es liegt also die Annahme nahe, dass die irischen Mönche die Niederlassung übernahmen, fortführten und die Kirche errichteten. Durchaus möglich ist es aber auch, dass unter den Legionären und den vor dem Kastell angesiedelten Menschen bereits Christen ihren Glauben lebten (Echzeller Chronik 1982)

Bild (c) Thomas Wettig

Bild (c) Thomas Wettig

Im Jahre 1238 wird erstmals urkundlich ein Pfarrer (Gerhard) zu Echzell erwähnt; folglich auch die Kirche, die freilich in ihren Anfängen in die Zeit des 7./8. Jahrhunderts reicht.

Ebenfalls in die Zeit vor der urkundlichen Erwähnung der Kirche ist der Taufstein zu datieren. Dieser befindet sich im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt.

Im 14./15. Jahrhundert war die Kirche renovierungsbedürftig und ein teilweiser Neubau notwendig. Die Baugeschichte lässt sich durch alte Fensteröffnungen und Reste von Wandmalereien leicht nachvollziehen.

Nach dem II. Weltkrieg wurde die Holzvertäfelung entfernt und es kamen große, alte und wertvolle Fresken zum Vorschein. "Über eine Länge von 15 Metern dehnt sich mit einer Höhe von 2 Metern die Darstellung des 'Jüngsten Gerichts', dem sich noch Szenen der Leidensgeschichte Jesu anschließen. Die Darstellung des Jüngsten Gerichts macht es erforderlich darauf hinzuweisen, dass in dieser Gerichtsszene, entsprechend dem 2. Glaubensartikel, die höchste Verherrlichung Christi zum Ausdruck kommt. Kreuzigung und den richtenden Christus finden wir inmitten des Jüngsten Gerichts dargestellt. Christus sitzt auf dem Regenbogen, stützt die Füße auf den Schemel 'Erde' und wird vom Himmelsgewölbe umgeben. Fürbittend, so wie sie am Kreuze standen, sind Maria und Johannes anwesend. Engel mit den Marterwerkzeugen umrahmen die Gruppe und geleiten hinunter zu dem Geschehen links und rechts. Dabei sind die Palmen links des Engels die Vermittlung hin zu den Seligen, denen die Palme des Sieges zuteil wird. Aus der Tiefe schauen die Erlösten den Herrn aus den Gräbern an. Petrus schließt den Märtyrern die Pforte des Heils auf, wo schon eine Menge der Glückseligen wartet. Auf der anderen Seite steht der Engel mit dem Kreuz des Heils bereit, womit er die Verdammten abschirmt. Ein Engel mit Posaune bläst zur Verdammnis. Eine kleine Gruppe von Teufeln wird die Verdammten in den Höllenrachen begleiten. In der rechten Ecke wird der weit aufgetane Höllenrachen sichtbar, der die ganze Verderbensszene überhöht."

(Waldemar Küther, 1200 Jahre Echzell)

Bild (c) Thomas Wettig

Patron der Kirche ist Cyriacus

Jede Kirche hatte früher einen besonderen Namen. Meistens erinnerte der an einen vorbildlichen Christen, den Patron. Die Echzeller Kirche benannte sich nach dem heiligen Cyriacus, so fand ein Kirchenvorsteher heraus. Cyriacus ist einer der bekannten Heiligen, er wurde zu den "Vierzehn Nothelfern" gezählt. Sie galten als besonders wirksame Helfer in der Not und wurden deshalb entsprechend verehrt. Was können wir als Evangelische mit diesen Heiligen anfangen? Sie als Helfer anrufen, das ist es nicht. Unsere himmlische Hilfe ist Gott allein. Aber die Erinnerung an die Heiligen kann uns nützen. An ihrem Beispiel sehen wir, wie man als Christ lebt. Heilige sind nämlich keine besonderen Menschen, sondern alle Christen sind heilig, weil sie zu Gott gehören und wer zu Gott gehört, der ist heilig.

Ein Mann aus Rom

Von Cyriacus ist überliefert, dass er ein Christ aus Rom war. Sicher ist, dass er am 8. August des Jahres 308 oder 309 mit mehreren Gefährten um seines Glaubens willen hingerichtet wurde. Sein Grab befand sich an der Via Ostiense, einer Straße, die westlich aus Rom herausführt. Die Legende weiß mehr zu erzählen.

Cyriacus war Diakon der römischen Gemeinde. Deshalb wurde er in der Christenverfolgung zu Zwangsarbeit verurteilt. Er musste beim Bau der Diokletiansthermen, einer Badeanstalt in Rom, zusammen mit anderen Verurteilten arbeiten. Sie hatten Erde abzugraben und wegzuschaffen. Bei der Gruppe war auch Saturninus, ein alter Mann, der die harte körperliche Arbeit nicht tun konnte. Seinen Anteil übernahmen Cyriacus und ein anderer der Zwangsarbeiter namens Sisinnius. Als das entdeckt wurde, kamen sie in verschärfte Haft.

Im Gefängnis beeindruckte Cyriacus einen der Wächter so nachhaltig, dass dieser sich taufen ließ. Als das bekannt wurde, musste der Wächter vor ein Gericht, das den Fall untersuchte. Der Richter fragte ihn: "Bist du auch ein Christ geworden?" Er antwortete: "Ja, und weh mir, dass ich zuvor meine Tage im Irrtum verbracht habe." Da antwortete der Richter: "Du sollst deine Tage jetzt sicherlich verlieren". Der Wächter wurde, wohl wegen Verletzung der Dienstpflichten, zum Tode verurteilt.

Die Kaisertochter

Damals erkrankte aber Arthemia, die Tochter des Kaisers Diokletian. Niemand konnte sie heilen. Es heißt, "sie hatte einen bösen Geist". Arthemia bestand darauf, nur der Diakon Cyriacus könne sie wieder gesund machen. Für sein Kind war der Kaiser bereit, eine Ausnahme zu machen, und so wurde Cyriacus aus der Haft geholt. Es gelang ihm tatsächlich Arthemia zu heilen, der Wahn, der sie bedrängte, verschwand. Nun gehören Heil und Heilung zusammen und nachdem Arthemia gesund war durch das Wirken des Cyriacus, wollte sie auch seinen Gott kennenlernen. Auf ihren Wunsch hin taufte Cyriacus auch sie. Dem Kaiser war das natürlich nicht recht, aber eine christliche Tochter war ihm lieber als eine wahnsinnige. Auch den Prozess gegen Cyriacus wollte er nun nicht mehr vollziehen. Er ließ ihn unter Hausarrest stellen und schob das Gerichtsverfahren auf die lange Bank. Bald danach starb der Kaiser und sein Sohn Maximianus wurde sein Nachfolger. Maximian hatte keine Skrupel. Überdies konnte er seine Schwester Arthemia nicht leiden. Also ließ er den Prozess gegen Cyriacus neu aufrollen. Vor Gericht sollte der Christ gezwungen werden, den alten, heidnischen Göttern der Römer zu opfern. Cyriacus weigerte sich standhaft und wurde deshalb enthauptet. Bald danach wurden die Christen im römischen Reich toleriert und durften ungehindert ihren Glauben leben.

Cyriacus in Echzell

Es ist schon lange bekannt, dass unsere Kirche auf den Grundmauern des römischen Bades gebaut wurde. Möglicherweise gab man der Kirche deswegen den Namen des Cyriacus. Denn Cyriacus hatte ja am Bau eines solchen Bades Zwangsarbeit leisten müssen. Vielleicht hat sogar die christliche Gemeinde Echzells ihre Wurzeln in der Zeit, als hier die Römer ihr Kastell unterhielten. Die Vermutung ist schon geäußert worden, aber bislang unbewiesen. Das wäre dann in der Zeit, in der Cyriacus in Rom lebte.

Unsere Kirche wurde erst viel später nach ihm benannt. Im 9. und 10. Jahrhundert wurden Reliquien (Überreste) des Heiligen nach Deutschland gebracht, einige nach Bamberg, andere nach Worms. Daraufhin kam er "in ode" und wahrscheinlich auch hierher. Sicherlich gab es in unserer Kirche einmal einen Altar oder Bilder, auf denen er dargestellt war, als Diakon mit einem gefesselten Dämon oder Drachen zu seinen Füßen. Davon ist aber nichts erhalten.

Ein Heiliger für heute

Cyriacus war als Heiliger deshalb so beliebt, weil seine Geschichte erzählt, wie er hart arbeiten musste - als Zwangsarbeiter bei den Thermen - und dabei dennoch seinen Nächsten nicht vergaß. Er fand trotz seiner eigenen Not eine Möglichkeit zu helfen. Cyriacus wagte es auch seine Überzeugung gegenüber den Mächtigen seiner Zeit, dem Kaiser und seinen Beamten, beizubehalten. Das tat er aber offenbar so, dass diese nicht provoziert waren, sondern etwas erlebten von der frohmachenden Gewissheit des christlichen Glaubens. Einzelne Träger der Macht änderten sich unter diesem Erlebnis: der Gefängniswärter, die Kaisertochter. Das hatte schließlich Einfluss auf die ganze Gesellschaft, die den christlichen Glauben erst tolerierte und dann, viel später, christlich wurde. Cyriacus hat das nicht mehr erlebt. Er musste sterben, aber sein Leben hatte Sinn, auch über den Tod hinaus. Er kann uns Mut dazu machen, auch so zu handeln: nicht am sofortigen Erfolg orientiert, sondern an dem, was schließlich für alle das Beste ist. Cyriacus macht Mut, gegen den Strom zu schwimmen, dabei aber nicht zu vergessen, dass die anderen Menschen, die der Gegenstrom sind, auch Menschen sind. Menschen, mit denen Gott noch etwas vorhat.


Die Glocken unserer Kirche

   

Bilder aufgenommen am 14. Februar 2014 (c) Thomas Wettig

Aus einem Aufsatz von Kurt Mogk im Echzeller Geschichtsheft Nr.10:

"Leider kann ich nicht nur über die Entwicklungsstadien der Glocken zur Freude der Menschen berichten. Kriege und Vernichtung von Menschen und Gütern waren auch der Anlass, Glocken ihrer Bronze wegen einzuschmelzen, das heißt, Waffen daraus herzustellen. Im Mittelalter wurden Glocken zu Kanonen umgegossen. Die Glocken waren deshalb besonders willkommene Beutegüter.

Für uns nachvollziehbar sind die Beschlagnahmen von Bronzeglocken im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1917 musste von der Echzeller Kirche die äußere Uhrglocke abgeliefert werden. ... Sie wurde später ersetzt und auch wieder zerstört.

..."Der größte Teil der ...beschlagnahmten Glocken wurde nach Hamburg verbracht. Hier mussten sie der Verarbeitung harren. Zum Glück setzte das Ende des Krieges dieser Glockenvernichtungswelle ein Ende. Allein in Hamburg waren noch vierzehntausend Glocken gelagert. ..Die Glocke aus dem Jahr 1477 von der Kirche in Echzell war unter den geretteten.

Im und am Kirchturm hängen vier Glocken.Die älteste, 1460 gegossene Glocke ist zugleich die größte des alten Geläutes. Ihr Gewicht beträgt 770 Kilogramm. Ihre Inschrift lautet:

"Den Donner brech ich, den Toten beklag ich, den Gottlosen rufe ich: Möge die Stimmung fromm sein, so lange jene Maria ertönet! Ihre Stimme ist bam bam und hat die Macht, Satan zu vertreiben! (Ciriaci, anno domini 1460)"

Die zweite Glocke wurde 1477 gegossen und ist auch eine Marienglocke.

"Maria heiß ich, Heinrich Müller von Frankfurt goß mich. Anno 1477"

Es handelt sich hier um jene Glocke, die 1942 aus der Kirche nach Hamburg überführt wurde, wo sie nach dem Kriege wohlbehalten gefunden wurde.

Die dritte und kleinste der Glocken stammt aus dem Jahre 1566 und trägt die Inschrift:

"Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut - 1566".

Diese Glocke hing bis zum Guss einer neuen Glocke im Turm. Seit dem Jahre 1962 befindet sie sich als Uhrglocke außen am Turm. 1962 wurde der Turmhelm erneuert und durch zahlreiche Spenden der Guss einer neuen Glocke ermöglicht. Die Glockengießerei Rincker in Sinn übernahm den Guss.

"Land, Land, höre des Herren Wort" lautet die Inschrift.

Sie übertrifft an Gewicht und Größe die Glocke von 1466.Am Heiligen Abend 1962 lud das neue Geläut erstmals zum Gottesdienst ein.

"Entführte Glocken"

1917 musste die Uhrenglocke für Kriegszwecke abgeliefert werden. Sie wurde schließlich 1922 durch einen Neuguss ersetzt und hatte die Inschrift: "Eine feste Burg ist unser Gott. Erinnerung an den großen Weltkrieg 1914 bis 1918." Diese Glocke musste dann bereits wieder im Jahre 1942 abgehängt und abgeliefert werden. Sie wurde eingeschmolzen, hatte also nicht das Glück der Glockenschwester des Jahres 1477.


Die Orgel, Königin der Instrumente

Aus einem Aufsatz von Kurt Mogk im Echzeller Geschichtsheft Nr.10:

Kurz nach 1649 wurde erstmalig eine Orgel aufgestellt. Errichtet wurde sie von dem Orgelbauer Georg Heinrich Wagner aus Lich. Freilich muss konstatiert werden, dass es nicht das Wohlgefallen der Gemeinde und auch der Sachverständigen fand; "Dass das Werk den Meister schilt" ist eine umschreibende Feststellung. Erst im Jahre 1686 wurde ein Umbau vorgenommen. Die Orgel stand bis 1740 im Dienst.

Der Orgelbauer Gabriel Irle, Schönstadt bei Kassel, baute 1742 eine neue Orgel in der Kirche ein. Sollte ihr eine längere Lebens- und Dienstdauer beschieden sein?

Bereits am 9. Januar 1823 erklärte der Orgelbauer Bürgy, Gießen, die Orgel für irreparabel. Rektor Müller entgegnet, die Orgel sei "unter die vorzüglichsten guten Orgeln aller Art" zu rechnen, der Mechanismus sei "nicht so einfach". Die Orgel wurde überholt, doch stets wurden immer wieder Rufe nach einem Orgelneubau laut.

1964 - trotz aller Bedenken der Kirchenverwaltung und -leitung gegen eine Erneuerung der Orgel und eine Vergabe des Neubaus an die Firma Hammer in Hannover erhielt diese den Auftrag. Der historische Orgelprospekt blieb erhalten. Dieser ist reich gegliedert und zeigt sich in der Form des "Bauernbarock". Dies ist eine liebevoll getroffene Feststellung.


Gedanken zu den neuen Kirchenfenstern

Impressionen